Wer schon einmal Konkremente subgingival entfernt hat, kennt das Dilemma: Man arbeitet mit Gefühl und Erfahrung – aber ohne direkte Sicht. Perioscopy ändert das grundlegend. Wir stellen die Technologie vor und zeigen, wo sie im klinischen Alltag wirklich einen Unterschied macht.

Was ist Perioscopy?

Das Perioscopy-System ist ein endoskopisches Verfahren, das speziell für den subgingivalen Einsatz entwickelt wurde. Es kombiniert klassische Endoskopietechnik mit den Anforderungen der Parodontaltherapie: minimalinvasiv, präzise, in Echtzeit.

Kern des Systems ist eine Miniaturkamera an einer feinen Sonde, die problemlos in die Tasche eingebracht werden kann. Das Kamerabild wird in Echtzeit auf einen HD-Monitor übertragen – mit bis zu 48-facher Vergrößerung.

Technische Grundlagen

Der technische Aufbau im Überblick:

       CCD/LED-Kamera verbunden mit einem faseroptischen Endoskop

       19 individuelle LED-Lichtleiterfasern für optimale Ausleuchtung auch in tiefen Taschen

       10.000-Megapixel-Bildleiter für hohe Bildqualität bei kleinstem Durchmesser

       Farbcodierte, bereichsspezifisch gebogene Sonden für alle Behandlungsregionen

 

Die Vergrößerung von bis zu 48x ermöglicht es, selbst feinste Zahnsteinauflagerungen, Wurzelfrakturen oder Perforationen zu erkennen – Befunde, die bei konventioneller Behandlung häufig übersehen werden.

Einsatzbereiche – breiter als erwartet

Perioscopy ist nicht nur für die klassische Parodontaltherapie relevant. Das System kann eingesetzt werden bei:

       Initialer Parodontitistherapie (Phase I)

       Reevaluation und UPT

       Diagnostik von Karies, Wurzelfrakturen und Wurzelresorptionen

       Kontrolle von Füllungs- und Kronenrändern subgingival

       Detektion von Perforationen

 

Grundsätzlich gilt: Je mehr Erfahrung im Umgang mit dem System, desto effizienter und präziser die Ergebnisse. Perioscopy ist keine Einmal-Technologie – die Lernkurve zahlt sich aus.

Klinischer Mehrwert für das DH-Team

Für Dentalhygieniker:innen ist Perioscopy besonders relevant, weil die subgingivale Instrumentierung traditionell zu den anspruchsvollsten und zeitintensivsten Aufgaben gehört. Direkte Visualisierung bietet dabei mehrere Vorteile:

       Kontrolle des Debridement-Ergebnisses direkt während der Behandlung

       Reduziertes Risiko, Konkremente zu übersehen

       Höhere Patientenakzeptanz durch weniger chirurgische Eingriffe

       Nachweisbarer klinischer Behandlungserfolg – für Patient:innen sichtbar auf dem Monitor

 

Unsere Einschätzung

Perioscopy ist keine Science-Fiction mehr – das System ist praxisreif und im Einsatz. Wer in der Prophylaxe und Parodontologie tätig ist, sollte diese Technologie kennen. Nicht zwingend als eigenes Gerät in jeder Praxis, aber als Behandlungsmöglichkeit, über die man Patient:innen informieren und bei Bedarf gezielt überweisen kann.

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Perioscopy gesammelt? Wir freuen uns über den fachlichen Austausch.

 

Grundlage dieses Beitrags: Fachartikel Perioscopy, Zahnhelden Ostfriesland / FIZ Kammer Express.